Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auch diesen Donnerstag die Leitzinsen unverändert bei 4,00% belassen. Damit hat sie ihre Andeutungen der vergangenen Wochen bestätigt, dass vorerst die Erhaltung der Preisstabilität im Vordergrund ihrer Zinspolitik steht und nicht kurzfristiger Aktionismus im Rahmen der US-Kreditmarktkrise. Die EZB geht inzwischen von einer Inflationsrate von 2,9% für Euroland in 2008 aus und sieht das als deutlich zu hoch an. So lange die Konjunkturindikatoren in den Kernländern der EU nur eine geringe Abschwächung erfahren, wird die EZB daher nicht nachgeben. Die Kehrseite dieser strikten Haltung ist ein weiterhin sehr starker Euro gegen praktisch alle anderen Währungen der Welt. Dieser wirkt inflationsdämpfend, bremst aber potentiell auch immer mehr die Exportwirtschaft und damit eine wichtige Quelle des Wirtschaftswachstums gerade in Deutschland. In den Ländern, die in den vergangenen Jahren von einem Immobilienboom profitiert haben, mehren sich die Anzeichen für konjunkturelle Bremsspuren. Besonders exponiert sind hier England und Spanien. Als Reaktion hat die Bank of England daher diese Woche auch schon ihren Leitzinssatz um 0,25% auf nunmehr 5,00% gesenkt. Vor dem Hintergrund einer starken Verunsicherung an den Kapitalmärkten bleibt die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen hoch und hält damit das Zinsniveau gerade auch bei den langen Laufzeiten tief, obwohl die Inflationszahlen höhere Risikoaufschläge verlangen würden.
Finanzierungskunden können diese Situation weiter zu ihrem Vorteil nutzen und gerade lange Laufzeiten zu sehr günstigen Konditionen sichern. Die Zinsstrukturkurve ist derzeit sehr flach und damit ist der Preis für lange Kalkulationssicherheit recht gering. Eine Spekulation auf sinkende Zinsen halten wir dagegen für gefährlich. Gerade Anschlussfinanzierungskunden sollten hier Risiko und Chance klar abwägen. Selbst wenn die EZB im zweiten Halbjahr die Leitzinsen senken sollte, heißt das noch lange nicht, dass die langfristigen Baugeldzinsen niedriger werden. Die langfristigen Kapitalmarktzinsen bilden sich über Inflationserwartungen der Marktteilnehmer und nicht allein über die kurzfristige Geldmarktpolitik der Notenbank. Mieter müssen vor dem Hintergrund höherer Inflationsraten und stark gestiegener Neubaukosten in den nächsten Jahren mit Mietpreissteigerungen rechnen und sollten sich nicht von der stabilen Entwicklung der vergangenen zehn Jahre blenden lassen. Diese waren historisch gesehen höchst untypisch und das Resultat eines Überangebotes aus den frühen 90er Jahren sowie historisch niedriger Inflationsraten. Der Inflationstrend hat aber gedreht. Kombiniert mit den günstigen Finanzierungschancen bieten sich daher sehr gute Einstiegsgelegenheiten am Wohnimmobilienmarkt. Darüber sollte jeder Mieter intensiv nachdenken.
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